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Bandscheibenvorfall: Was dein Befund wirklich bedeutet

Symbolbild

In deinem MRT-Bericht steht ein Bandscheibenvorfall, und die vielen Fachwörter verunsichern dich. Hier erfährst du ruhig und verständlich, was die Begriffe bedeuten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der weiche Gallertkern der Bandscheibe durch den äußeren Faserring nach außen.
  • Er kann auf eine Nervenwurzel drücken und dann Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln bis ins Bein oder in den Arm auslösen.
  • Meist reicht eine Behandlung ohne Operation mit Bewegung und Physiotherapie aus.
  • Bei Störungen von Blase oder Mastdarm, Taubheit im Reithosenbereich oder rasch zunehmender Lähmung musst du sofort in die Notaufnahme.

So steht es in deinem Befund

Bandscheibenvorfall L5/S1 mediolateral links mit Kontakt zur Wurzel S1

Das beschreibt einen Vorfall im untersten Segment der Lendenwirbelsäule, der links neben der Mittellinie liegt und die Nervenwurzel S1 berührt.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Zwischen den Wirbeln deiner Wirbelsäule liegen die Bandscheiben. Jede Bandscheibe wirkt wie ein kleines Polster: Außen ist sie von einem festen Faserring umgeben, innen sitzt ein weicher, gallertartiger Kern. Dieser Kern gibt der Bandscheibe ihre Federung und fängt Stöße ab, wenn du dich bewegst, hebst oder springst.

Bei einem Bandscheibenvorfall bekommt der äußere Faserring einen Riss oder wird schwach, und ein Teil des weichen Gallertkerns tritt nach außen. Dieses ausgetretene Gewebe kann auf eine benachbarte Nervenwurzel oder seltener auf das Rückenmark drücken. Genau dieser Druck ist es, der die typischen Beschwerden auslösen kann. Am häufigsten passiert das in der Lendenwirbelsäule, also im unteren Rücken, besonders in den Segmenten L4/L5 und L5/S1. Seltener ist die Halswirbelsäule betroffen.

Ein Bandscheibenvorfall entsteht oft nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern über längere Zeit. Mit den Jahren verlieren die Bandscheiben etwas Wasser und werden weniger elastisch, sodass der Faserring leichter einreißt. Eine ungünstige Bewegung, schweres Heben oder auch nur eine alltägliche Belastung können dann der letzte Anstoß sein. Am häufigsten trifft die Diagnose Menschen im mittleren Erwachsenenalter.

Wichtig zu wissen: Ein Bandscheibenvorfall im Befund bedeutet nicht automatisch, dass du starke Beschwerden hast oder operiert werden musst. Viele Menschen tragen einen Vorfall in sich, ohne etwas davon zu merken.

So steht es in deinem Befund

MRT-Befunde sind in einer knappen Fachsprache geschrieben. Hier sind die Begriffe, die dir am häufigsten begegnen, jeweils einmal in Alltagssprache erklärt.

Protrusion ist eine Vorwölbung. Die Bandscheibe wölbt sich vor, der äußere Faserring ist dabei aber noch intakt. Das ist die mildere Form.

Extrusion oder Prolaps bezeichnet einen echten Vorfall. Hier ist der Faserring durchbrochen, und Gewebe des Gallertkerns ist ausgetreten.

Sequester nennt man ein Stück des Kerns, das sich ganz abgelöst hat und frei im Wirbelkanal liegt.

Dazu kommt die Etage, also die genaue Höhe. Eine Angabe wie L5/S1 bedeutet, dass der Vorfall zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Kreuzbeinwirbel liegt.

Die Richtung wird oft mit mediolateral (neben der Mittellinie) oder foraminal (im Bereich des seitlichen Nervenaustrittslochs) beschrieben. Und schließlich liest du vielleicht von Kontakt oder Kompression der Nervenwurzel: Kontakt heißt, das Gewebe berührt den Nerv, Kompression heißt, es drückt ihn zusammen.

Manchmal begegnet dir auch die Abkürzung NPP für Nucleus-pulposus-Prolaps, was nur ein anderer Ausdruck für den Bandscheibenvorfall ist. Lass dich von der nüchternen Sprache im Übrigen nicht verunsichern. Ein Befund hält fest, was auf den Bildern zu sehen ist, und klingt oft ernster, als sich deine Beschwerden anfühlen.

Was die Höhenangabe und der Nervenkontakt bedeuten

Die Höhenangabe verrät, welche Nervenwurzel betroffen sein könnte. Jede Nervenwurzel versorgt bestimmte Bereiche von Haut und Muskeln. Ein Vorfall bei L5/S1 kann zum Beispiel die Wurzel S1 reizen, deren Fasern bis in die Wade und den Fuß ziehen. Ein Vorfall bei L4/L5 betrifft dagegen häufig die Wurzel L5, deren Fasern über den Fußrücken bis zur großen Zehe ziehen. Ein Vorfall in der Halswirbelsäule kann eine Nervenwurzel reizen, die in den Arm zieht.

Deshalb passen Ort im Befund und Ort deiner Beschwerden oft zusammen. Ob der beschriebene Nervenkontakt bei dir wirklich Beschwerden macht, hängt aber vom Gesamtbild ab. Der Befund allein sagt das nicht. Deine Ärztin oder dein Arzt beurteilt ihn zusammen mit deinen Beschwerden und der körperlichen Untersuchung.

Welche Beschwerden dazu passen

Zu einem Bandscheibenvorfall können verschiedene Beschwerden passen. Häufig ist ein Rückenschmerz, der in ein Bein ausstrahlt. Diese ausstrahlenden Beinschmerzen werden oft als Ischias bezeichnet. Bei einem Vorfall in der Halswirbelsäule strahlt der Schmerz eher in einen Arm aus. Typisch ist außerdem, dass die ausstrahlenden Schmerzen beim Husten, Niesen oder Pressen kurz stärker werden können, weil sich dabei der Druck im Wirbelkanal für einen Moment erhöht.

Dazu kommen manchmal ein Taubheitsgefühl oder ein Kribbeln in einem bestimmten Bereich sowie ein Gefühl von Schwäche in einem Muskel. Wie stark die Beschwerden sind, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Ordne deine Beschwerden bitte nicht selbst einer Diagnose zu, sondern besprich sie mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Warnzeichen: wann sofort zum Arzt

Die allermeisten Bandscheibenvorfälle sind kein Notfall. Es gibt aber wenige Warnzeichen, bei denen du nicht abwarten darfst, sondern sofort in die Notaufnahme gehörst. Dahinter kann ein Cauda-equina-Syndrom stecken, bei dem wichtige Nerven im unteren Wirbelkanal stark gedrückt werden.

Achte besonders auf diese Zeichen: eine neu aufgetretene Störung beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang, ein Taubheitsgefühl im Bereich von Gesäß und Innenseite der Oberschenkel (der sogenannte Reithosenbereich) sowie eine Lähmung oder Schwäche, die rasch zunimmt. Auch starke, plötzliche Beschwerden nach einem Unfall solltest du umgehend abklären lassen.

Was du selbst tun kannst

Die gute Nachricht: Die meisten Bandscheibenvorfälle bessern sich mit der Zeit, auch ohne Operation. Eine Behandlung ohne Operation nennt man konservativ. Sie setzt vor allem auf Bewegung und Physiotherapie. Anders als früher gedacht ist strenge Bettruhe nicht hilfreich. Bleib im Rahmen deiner Schmerzen in Bewegung und meide vor allem langes, starres Sitzen.

Wärme und eine bequeme Lagerung können in der akuten Phase guttun. Versuche außerdem, deinen gewohnten Alltag so weit wie möglich beizubehalten, denn zu langes Schonen schwächt gerade die Muskeln, die deinen Rücken stützen sollen. Wenn die Beschwerden nach einigen Wochen nicht nachlassen oder wenn sie stärker werden, vereinbare erneut einen Termin und lass dich in Ruhe beraten.

In der Physiotherapie lernst du Übungen, die deinen Rücken stützen und entlasten. Achte im Alltag auf rückenschonendes Heben, indem du in die Knie gehst und aus den Beinen hebst statt aus dem Rücken. Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, entscheidet sich nur bei bestimmten Befunden und immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nimm deinen Befund zum Gespräch mit und frag nach allem, was dir unklar ist.

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Häufige Fragen

Muss ein Bandscheibenvorfall immer operiert werden?

Nein. Die meisten Bandscheibenvorfälle bessern sich mit der Zeit auch ohne Operation, vor allem durch Bewegung und Physiotherapie. Eine Operation kommt nur bei bestimmten Befunden infrage und wird immer ärztlich entschieden.

Was ist der Unterschied zwischen Protrusion und Prolaps?

Bei einer Protrusion wölbt sich die Bandscheibe nur vor, der äußere Faserring bleibt intakt. Bei einem Prolaps oder einer Extrusion ist der Faserring durchbrochen und Gewebe des Gallertkerns ist ausgetreten. Der Prolaps ist also die ausgeprägtere Form.

Bedeutet ein Vorfall im Befund, dass ich starke Schmerzen bekomme?

Nicht unbedingt. Viele Menschen haben einen Bandscheibenvorfall, ohne etwas davon zu spüren. Ob der Befund Beschwerden macht, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt zusammen mit deiner Untersuchung, nicht das MRT-Bild allein.

Wann muss ich sofort in die Notaufnahme?

Sofort, wenn du eine neu aufgetretene Störung beim Wasserlassen oder Stuhlgang bemerkst, ein Taubheitsgefühl im Reithosenbereich hast oder eine rasch zunehmende Lähmung. Das können Zeichen eines Cauda-equina-Syndroms sein.

Quellen

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Bandscheibenvorfall
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis medizinischer Begriffe. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine Apotheke.