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Gastritis: Was Typ A, B und C bedeuten und was im Befund steht

Symbolbild

Gastritis heißt zunächst nur: Deine Magenschleimhaut ist entzündet. Erst die Ursache entscheidet, was daraus folgt, und darum teilen Ärztinnen und Ärzte die chronische Gastritis in Typ A (Autoimmun), Typ B (Bakterien, meist Helicobacter pylori) und Typ C (chemisch, etwa durch Schmerzmittel) ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut. Der Begriff allein sagt noch nichts über die Ursache.
  • Typ B durch Helicobacter pylori ist die häufigste chronische Form. In Deutschland tragen laut DGVS-Leitlinie 35,3 % der Menschen den Keim in sich, die meisten davon werden nie krank.
  • Die Einteilung erfolgt am Gewebe, nicht am Kamerabild. Standard sind vier Proben nach der Sydney-Klassifikation: zwei aus dem Antrum, zwei aus dem Korpus.
  • Säureblocker und Antibiotika können Helicobacter-Tests falsch negativ machen. Die Leitlinie nennt Mindestabstände von 2 Wochen (PPI) und 4 Wochen (Antibiotika).
  • Schwarzer Stuhl, Bluterbrechen, ungewollter Gewichtsverlust oder Schluckstörungen gehören immer ärztlich abgeklärt.

Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut, also der innersten Schicht, die Deinen Magen auskleidet und ihn vor seiner eigenen Säure schützt. Der Begriff beschreibt einen Zustand, keine Ursache. Ob Du etwas tun musst und was, hängt davon ab, warum die Schleimhaut entzündet ist.

Akute und chronische Gastritis sind zwei verschiedene Dinge

Die akute Gastritis beginnt plötzlich. Typisch sind Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Völlegefühl oder Appetitlosigkeit. Sie klingt häufig innerhalb weniger Tage von selbst ab, sobald der Auslöser wegfällt. Nach Angaben des IQWiG entwickeln etwa 20 von 100 Menschen im Lauf ihres Lebens eine akute Gastritis.

Die chronische Gastritis besteht über Monate bis Jahre und verursacht oft überhaupt keine Beschwerden. Viele Menschen erfahren erst bei einer Magenspiegelung davon, die aus einem ganz anderen Grund gemacht wurde. Bei ihr lohnt sich der genaue Blick auf die Ursache, denn davon hängt ab, ob behandelt oder kontrolliert werden muss.

Typ A, B und C: die Einteilung nach der Ursache

Diese sogenannte ABC-Einteilung findest Du oft im Befund oder im Arztbrief.

Typ Ursache Ort im Magen Mögliche Folgen
Typ A
autoimmun
Das Immunsystem richtet sich gegen die säurebildenden Belegzellen und gegen den Intrinsic Factor, ein Eiweiß, das der Körper braucht, um Vitamin B12 aufzunehmen. Vor allem Korpus und Fundus, also der obere Magenanteil Vitamin-B12-Mangel bis hin zur perniziösen Anämie. Bei bestätigter Diagnose sind laut DGVS-Leitlinie Kontrollen in größeren Abständen vorgesehen.
Typ B
bakteriell
Fast immer eine Infektion mit Helicobacter pylori. Häufigste Form der chronischen Gastritis. Oft im Antrum, dem Magenausgang, kann sich aber über den ganzen Magen ausdehnen Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, seltener Schleimhautschwund und dessen Folgen.
Typ C
chemisch
Reizung durch Substanzen, vor allem entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie ASS, Ibuprofen, Diclofenac), außerdem Alkohol oder zurückfließende Galle. Meist Antrum Erosionen und Geschwüre. Bessert sich oft, wenn der Auslöser wegfällt.

Mischformen kommen vor. Steht auf Deinem Befund „Typ C“ und Du nimmst regelmäßig Schmerzmittel, ist das ein sehr direkter Hinweis darauf, worüber Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt sprechen solltest. Setze verordnete Medikamente aber nie eigenmächtig ab.

Wie häufig ist Helicobacter pylori?

Die aktuelle S2k-Leitlinie der DGVS beziffert die Häufigkeit einer Infektion mit Helicobacter pylori in Deutschland auf 35,3 % (95-%-Konfidenzintervall 31,2 bis 39,4). Etwa jeder dritte Erwachsene trägt den Keim also in sich. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund liegt sie deutlich niedriger, im Alter von 4 Jahren bei 3,0 %.

Zur Einordnung: Der Keim allein macht noch keine Krankheit. Die allermeisten Menschen mit Helicobacter pylori bekommen nie ein Geschwür und nie Magenkrebs.

Was im Gastroskopie-Befund steht

Bei der Magenspiegelung sieht die Ärztin oder der Arzt mit einer Kamera in Deinen Magen. Die Untersuchung selbst dauert meist nur 5 bis 10 Minuten. Im Befund stehen anschließend Beschreibungen dessen, was zu sehen war:

  • Rötung (Erythem) und Ödem: Die Schleimhaut wirkt gereizt und geschwollen.
  • Erosionen: Oberflächliche Defekte, die die Schleimhaut nicht ganz durchdringen.
  • Ulkus: Ein echtes Geschwür, das tiefer reicht.
  • Atrophie: Die Schleimhaut wirkt dünn, die Gefäße scheinen durch.

Das Aussehen der Schleimhaut allein reicht für die Diagnose aber nicht aus. Die DGVS-Leitlinie sieht deshalb vor, dass zur Klassifikation der Gastritis und zum Nachweis von Helicobacter pylori Gewebeproben entnommen werden. Entschieden wird also am Mikroskop.

Was im Histologiebefund steht: die Sydney-Klassifikation

Damit Befunde vergleichbar bleiben, werden die Proben nach einem festen Schema entnommen, der Sydney-Klassifikation. Die Leitlinie legt die Entnahmestellen genau fest:

  • zwei Proben aus dem Antrum, 2 bis 3 cm vor dem Magenausgang (Pylorus)
  • zwei Proben aus dem mittleren Korpus, je eine von der großen und der kleinen Kurvatur
  • zusätzliche Proben aus auffälligen Stellen, bei gezielter Frage nach Vorstufen auch von der Angulusfalte

Vier Proben aus zwei Regionen sind also der Standard. Der Grund für diese feste Aufteilung: Erst der Vergleich zwischen Antrum und Korpus zeigt, wie die Entzündung im Magen verteilt ist, und daraus lässt sich das weitere Risiko besser abschätzen.

Beurteilt werden dann fünf Merkmale, meist in drei Stufen (gering, mäßig, stark):

  • Entzündung: Wie viele Lymphozyten und Plasmazellen liegen im Gewebe? Sie stehen für die länger bestehende, chronische Entzündung.
  • Aktivität: Wie viele neutrophile Granulozyten? Sie stehen für den aktuell aktiven Anteil. „Chronisch aktive Gastritis“ heißt also: dauerhaft entzündet und gerade jetzt aktiv.
  • Atrophie: Sind Drüsen verloren gegangen, ist also Schleimhaut geschwunden?
  • Intestinale Metaplasie: Hat sich Magenschleimhaut in darmähnliche Schleimhaut umgewandelt?
  • Helicobacter-pylori-Dichte: Wie viele Bakterien sind nachweisbar?

OLGA und OLGIM: wenn Atrophie oder Metaplasie auftauchen

Findet die Pathologie Atrophie oder intestinale Metaplasie, kann sie den Befund zusätzlich in Stadien einteilen: OLGA für die Atrophie, OLGIM für die intestinale Metaplasie, jeweils von Stadium 0 bis IV. Beide bauen auf der Sydney-Klassifikation auf, das höchste Risiko liegt in den Stadien III und IV.

Was daraus folgt, steht in der S3-Leitlinie Magenkarzinom, und die Unterscheidung ist entscheidend:

  • Bei ausgeprägter Atrophie oder intestinaler Metaplasie ist das Magenkrebsrisiko jeweils etwa um das 5-Fache erhöht. Europäische Leitlinien empfehlen dann eine Magenspiegelung mit Proben nach dem Sydney-Protokoll alle 3 Jahre. Ist ein Verwandter ersten Grades an Magenkrebs erkrankt, kann dieses Intervall individuell verkürzt werden.
  • Bei nur fokaler, also örtlich begrenzter Atrophie oder Metaplasie wird eine regelmäßige Überwachung ausdrücklich nicht empfohlen, weil das Risiko selbst nach 10 Jahren zu gering ist.

Wenn „intestinale Metaplasie“ in Deinem Befund steht, ist das also kein Grund zur Panik. Es kommt darauf an, wie ausgedehnt sie ist, und das kann nur ärztlich anhand des vollständigen Befunds eingeordnet werden.

Die Tests auf Helicobacter pylori und ihre Treffsicherheit

Die DGVS-Leitlinie gibt für die gängigen Nachweismethoden diese Werte an:

Test Sensitivität Spezifität
Histologie (Gewebeprobe) 80 bis 98 % 90 bis 98 %
Urease-Schnelltest (während der Spiegelung) 90 bis 95 % 90 bis 95 %
13C-Harnstoff-Atemtest 85 bis 95 % 85 bis 95 %
Stuhl-Antigentest (monoklonal, ELISA) 85 bis 95 % 85 bis 95 %
IgG-Antikörper im Blut über 95 % über 90 %

Der Bluttest sieht auf den ersten Blick am stärksten aus, hat aber einen Haken, den die Leitlinie klar benennt: Er unterscheidet nicht zwischen einer aktiven und einer bereits durchgemachten Infektion und ist zur Therapiekontrolle nicht geeignet. Antikörper können nach erfolgreicher Behandlung noch Monate bis Jahre nachweisbar bleiben. Ein positiver Bluttest heißt also nicht zwingend, dass der Keim jetzt noch da ist.

Der häufigste Grund für ein falsch negatives Ergebnis

Säureblocker und Antibiotika drücken die Bakterienzahl im Magen so weit herunter, dass Tests den Keim übersehen können. Die DGVS-Leitlinie nennt deshalb Mindestabstände ohne solche Medikamente:

  • 2 Wochen nach dem Ende einer Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI, zum Beispiel Omeprazol oder Pantoprazol)
  • 4 Wochen nach einer Eradikations- oder sonstigen Antibiotikatherapie

Im Alltag ist das ein echtes Problem, denn bei Magenbeschwerden wird häufig zuerst ein Säureblocker verordnet und erst danach getestet. Sag Deiner Ärztin oder Deinem Arzt vor einem Test also von Dir aus, welche Medikamente Du in den letzten Wochen genommen hast. Den richtigen Zeitpunkt zum Pausieren legt die Praxis fest, nicht Du selbst.

Auch die Kontrolle nach einer Behandlung hat einen festen Zeitpunkt: frühestens 4 Wochen nach Therapieende, in der Regel mit dem 13C-Harnstoff-Atemtest oder dem monoklonalen Stuhltest.

Wann eine Magenspiegelung angeboten wird

Nicht jede Magenverstimmung braucht eine Spiegelung. Die DGVS-Leitlinie nennt aber Situationen, in denen bei Magenbeschwerden von vornherein endoskopisch abgeklärt werden kann, etwa ab einem Alter über 50 Jahren oder bei Risikofaktoren wie ungewolltem Gewichtsverlust oder Blutarmut. Bei Menschen mit erhöhtem Magenkrebsrisiko sollte ab etwa 40 Jahren primär die Spiegelung mit Gewebeproben angeboten werden.

Wurde der Keim ohne Spiegelung nachgewiesen und bessern sich die Beschwerden nach der Behandlung nicht, oder kehren sie innerhalb von 6 Monaten zurück, sollte eine Magenspiegelung nachgeholt werden.

Und das Magenkrebsrisiko?

Eine Infektion mit Helicobacter pylori erhöht laut DGVS-Leitlinie das Risiko für ein distales Magenkarzinom um den Faktor 2 bis 3 gegenüber nicht infizierten Menschen. Der Krebsinformationsdienst des DKFZ nennt dieselbe Größenordnung. Wird die Infektion beseitigt, sinkt das Risiko. Bei der Typ-A-Gastritis ist die Häufigkeit von Magenkrebs im Vergleich zum Helicobacter-bedingten Magenkrebs laut Leitlinie um ein Vielfaches geringer.

Ein zwei- bis dreifach erhöhtes relatives Risiko klingt nach viel, bedeutet bei einer insgesamt seltenen Erkrankung aber weiterhin ein kleines absolutes Risiko für die einzelne Person. Was für Dich gilt, hängt von Deinem konkreten Befund und Deiner Vorgeschichte ab.

Was Dein Befund nicht sagt

Ein Gastritis-Befund beschreibt die Schleimhaut an den Stellen, von denen Proben stammen. Er sagt nicht, ob Deine Beschwerden von dieser Entzündung kommen. Viele Menschen mit chronischer Gastritis spüren nichts, und viele Menschen mit starken Magenbeschwerden haben eine unauffällige Schleimhaut. Für Letzteres gibt es einen eigenen Begriff: Reizmagen oder funktionelle Dyspepsie.

Jeder Befund ist deshalb ein Baustein. Erst zusammen mit Deinen Beschwerden und Deiner Vorgeschichte ergibt er ein Bild, und diese Einordnung gehört in das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, die Dich behandeln.

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Häufige Fragen

Wird aus einer chronischen Gastritis Magenkrebs?

In aller Regel nicht. Eine chronische Gastritis ist kein Krebs und die allermeisten Betroffenen erkranken nie daran. Ein deutlich erhöhtes Risiko besteht vor allem bei ausgeprägtem Schleimhautschwund (Atrophie) oder ausgedehnter intestinaler Metaplasie, laut S3-Leitlinie Magenkarzinom jeweils etwa um das 5-Fache. Wie Dein persönliches Risiko einzuschätzen ist, kann nur ärztlich anhand des vollständigen Befunds beurteilt werden.

Warum war mein Helicobacter-Test negativ, obwohl ich Beschwerden habe?

Ein häufiger Grund sind Medikamente. Säureblocker (PPI) und Antibiotika senken die Bakterienzahl im Magen und können dazu führen, dass der Test den Keim übersieht. Die DGVS-Leitlinie nennt Mindestabstände von 2 Wochen nach PPI und 4 Wochen nach Antibiotika. Sprich Deine Praxis darauf an, wenn Du kurz vor dem Test solche Medikamente genommen hast.

Was bedeutet „chronisch aktive Gastritis“ im Histologiebefund?

„Chronisch“ steht für Lymphozyten und Plasmazellen im Gewebe, also für eine länger bestehende Entzündung. „Aktiv“ steht zusätzlich für neutrophile Granulozyten, also einen aktuell aktiven Entzündungsanteil. Diese Kombination ist typisch für eine Infektion mit Helicobacter pylori, die laut DGVS-Leitlinie genau eine solche chronisch aktive Gastritis auslöst. Den Keimnachweis liefert aber erst die Spezialfärbung oder ein Test.

Muss ich bei einer Typ-A-Gastritis Vitamin B12 kontrollieren lassen?

Bei der Typ-A-Gastritis richtet sich das Immunsystem gegen die Belegzellen und gegen den Intrinsic Factor, den der Körper zur Aufnahme von Vitamin B12 braucht. Ein B12-Mangel bis hin zur perniziösen Anämie ist deshalb möglich. Die DGVS-Leitlinie sieht bei bestätigter Autoimmungastritis Kontrollen in größeren Abständen vor. Ob und wie oft bei Dir kontrolliert wird, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.

Reicht ein Bluttest zum Nachweis von Helicobacter pylori?

Für eine erste Einschätzung kann der Antikörpertest im Blut sinnvoll sein, etwa wenn sicher ist, dass noch nie eine Eradikationstherapie stattgefunden hat. Er unterscheidet aber nicht zwischen aktiver und durchgemachter Infektion und ist laut DGVS-Leitlinie zur Kontrolle nach einer Behandlung nicht geeignet. Dafür kommen der 13C-Harnstoff-Atemtest oder ein monoklonaler Stuhl-Antigentest infrage.

Quellen

  1. Fischbach W et al.: Aktualisierte S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Juli 2022, AWMF-Registernummer 021-001, gültig bis 30.04.2027 (Z Gastroenterol 2023; 61: 544-606)
  2. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs, Langversion 3.1, Oktober 2025, AWMF-Registernummer 032-009OL
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Magenschleimhautentzündung (Gastritis), gesundheitsinformation.de
  4. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Magenkrebs, Ursachen und Risikofaktoren, Stand 2020
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis medizinischer Begriffe. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine Apotheke.